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1956 – 1959

Bobby Darin - Die Stimme, die wusste, dass sie nicht bleiben wird

Bobby Darin - Die Stimme, die wusste, dass sie nicht bleiben wird

Wenn das Leben eines Künstlers selbst zum Stoff für einen großen, herzzerreißenden Hollywoodfilm taugt, dann war Bobby Darin seine eigene, tragische Hauptrolle. Er war der strahlende Entertainer, der Junge aus der Bronx, der die Bühnen von Las Vegas eroberte. Doch hinter dem perfekten Show-Lächeln verbarg sich eine existenzielle Erschütterung. Die Wahrheit über seine Herkunft traf ihn erst im Jahr 1968, als er bereits 32 Jahre alt war, wie ein Donnerschlag aus dem Nichts. Er musste erfahren, dass die Frau, die er zeitlebens für seine liebevolle Mutter gehalten hatte, in Wahrheit seine Großmutter war – und seine vermeintliche ältere Schwester Nina seine leibliche Mutter.

Diese Lebenslüge zog ihm den Boden unter den Füßen weg und stürzte ihn in eine tiefe Identitätskrise. Doch vielleicht war es genau diese seelische Tiefe, dieses lebenslange, schmerzhafte Ringen mit der eigenen Identität und der ständigen Vergänglichkeit, das seiner Stimme später diese unvergleichliche, fast schon unheimliche emotionale Färbung verlieh.

Schon 1958 fegte er mit dem unbeschwerten Rock-’n’-Roll-Hit »Splish Splash« durch die Radios wie ein jugendlicher Wirbelwind. Er war der Liebling der Teenager, ein musikalisches Chamäleon, das mühelos zwischen Pop, Jazz und Swing wechselte. Doch der Bobby Darin, der uns einige Jahre später mit »If I Were A Carpenter« das Herz aufreißt, ist ein völlig anderer. Er ist reifer, verletzlicher und durchdrungen von jener feinen, tiefen Melancholie, die am Ende des Tages große Kunst von bloßem, austauschbarem Talent unterscheidet.

Ursprünglich von dem genialen, aber im Leben oft glücklosen Folk-Poeten Tim Hardin geschrieben, lag der Song zunächst im Schatten der breiten Öffentlichkeit. Erst als Darin sich des Stücks annahm, verwandelte er es in einen bittersüßen, zeitlosen Klassiker – rau, ehrlich, intim und von einer berührenden Schlichtheit. Er stellte die existenzielle Frage, ob die Liebe auch dann noch Bestand hat, wenn man allen Status, allen Glanz verliert und nur noch ein einfacher Zimmermann ist. Seine Grammy-Nominierung für diese Performance war nur folgerichtig, auch wenn er sich am Ende in einem geschichtsträchtigen Jahr gegen die Beatles und ihr Meisterwerk »Eleanor Rigby« geschlagen geben musste. Aber was zählen schon goldene Trophäen und Preise, wenn ein Song es schafft, ohne Umwege direkt in die menschliche Seele zu sprechen?

Seine spätere Live-Interpretation aus dem Jahr 1973 – festgehalten in einem bewegenden Fernsehmoment nur neun Monate vor seinem viel zu frühen Tod – ist heute nichts weniger als sein musikalisches Vermächtnis. Bobby Darin, der seit seiner Kindheit durch schweres rheumatisches Fieber an einer chronischen Herzschwäche litt, wusste zu diesem Zeitpunkt ganz genau, dass ihm die Lebenszeit unerbittlich davonlief. Jede Sekunde war kostbar. Und doch steht er da im Rampenlicht, gezeichnet vom Leben, aber mit einer Stimme, die noch einmal alles umfasst, was das Menschsein ausmacht: Hoffnung, Reue, tiefe Liebe und den schmerzhaften Verzicht.

Er wurde nur 37 Jahre alt, als sein Herz im Dezember 1973 während einer Operation endgültig aufhörte zu schlagen. Doch seine Musik und seine Authentizität überdauern die Jahrzehnte. Späte Ehren folgten: 1990 wurde er in die renommierte Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, im Jahr 1999 folgte die Würdigung in der Songwriters Hall of Fame.

»If I Were A Carpenter« ist in seiner Interpretation weit mehr als nur ein wunderschönes Lied. Es ist ein offenes, ungeschöntes Fenster direkt in Bobby Darins verletzte Seele. Und für uns alle ist es eine bleibende, melancholische Erinnerung daran, wie wunderschön und tröstend Schmerz klingen kann.

Hier ist der Link zum Video, das diese Magie für immer festhält:

Bobby Darin Live 1973 - If I Were A Carpenter